Respekt!
Dr. Marlene Lessel
Die Gesamtzahl der bei der Bayerischen Landesärztekammer (BLÄK) gemeldeten Ärztinnen und Ärzte nähert sich der magischen Marke von 100.000 (99.881 bei Drucklegung dieser Ausgabe). Unübersehbar dabei ist, dass die Medizin immer weiblicher wird. Mit aktuell 49.685 Ärztinnen ist der Frauenanteil der BLÄK-Mitglieder auf rekordverdächtigem Niveau. Ein Blick auf die Weiterbildungszahlen verdeutlicht, dass die Zukunft der Medizin weiblich ist: Der Anteil der Ärztinnen in Weiterbildung liegt bei der Kammer bei 61,6 Prozent. Diese aktuelle Zahl stammt aus dem Weiterbildungsregister 2025 (Stand: 31. März 2026), das erst im Oktober vergangenen Jahres neu gestartet ist. Erfasst werden hier alle Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung in einer Facharztweiterbildung auf Grundlage der Weiterbildungsordnung (§ 5 WBO 2021). Luft nach oben gibt es jedoch noch beim Anteil der Ärztinnen unter den Weiterbildungsbefugten. Hier liegen die Ärztinnen bei 34,7 Prozent. Gleiches gilt grundsätzlich für das gesamte berufspolitische Engagement der Kolleginnen.

Die weiblichen Abgeordneten der Bayerischen Landesärztekammer zum 130. Deutschen Ärztetagin Hannover mit
Präsident Dr. Gerald Quitterer.
Deutscher Ärztetag
In diesem Kontext erscheint die am 130. Deutschen Ärztetag aufgekommene Debatte über die Grenzverletzungen und Übergriffe besonders wichtig. Transparenz und Offenlegung von krassem Fehlverhalten sind entscheidend, um notwendige Veränderungen anzustoßen. Den betroffenen Medizinstudentinnen gebührt Respekt, ihre Erfahrungen am Deutschen Ärztetag öffentlich gemacht zu haben. Die anschließende intensive Debatte hat verdeutlicht, dass Machtmissbrauch und sexualisierte Gewalt im Gesundheitswesen in unterschiedlichen Situationen vorkommt und nicht verleugnet oder verdrängt werden dürfen. Machtmissbrauch und sexualisierte Gewalt verletzen die Würde von Menschen, sind in jeder Form inakzeptabel und aus meiner persönlichen sowie auch aus Sicht der BLÄK unvereinbar mit unserem ärztlichen Berufsethos. Zugleich ist es absolut notwendig, eine Kultur des Respekts sowie des Hinschauens zu stärken. Prävention, Aufarbeitung und konsequentes Handeln werden wir daher in der BLÄK weiter ausbauen – über die bereits existierenden Strukturen hinaus. Wir werden die Impulse und Beschlüsse des Deutschen Ärztetags proaktiv in Bayern aufgreifen und umsetzen.
Respektvoller Umgang
Machtmissbrauch und sexualisierte Gewalt sind gesamtgesellschaftliche Probleme; da macht auch das Gesundheitswesen keine Ausnahme. Grenzüberschreitungen und Gewalt haben weder im kollegialen Miteinander – gerade auch mit Blick auf die Auszubildenden in den medizinischen Fachberufen – noch im Umgang mit Patientinnen und Patienten Platz. Darüber hinaus hat die Ärztetags-Debatte ein Nachdenken über das deutsche Gesundheitswesen insgesamt ausgelöst. Gerade in der Medizin ist ein respektvoller Umgang miteinander unerlässlich und besonders wichtig, geht es doch um das vertrauensvolle Arzt-Patienten-Verhältnis. Die Berichte über Fehlverhalten von Ärzten können dieses Vertrauen erschüttern, daher muss die Ärzteschaft als Ganzes, die ärztliche Selbstverwaltung und jede/jeder Einzelne von uns ein vitales Interesse daran haben, Fehlverhalten von einigen Wenigen zu verhindern – zum Schutz unserer Patientinnen und Patienten, unseres gesamten Berufsstandes, aller in der Medizin Tätigen und vor allem der übergroßen Mehrheit, die sich korrekt verhält.
Teilen:
Das könnte Sie auch interessieren:


