One Health – Schulfach und TV-Spots

One Health - Schulfach und TV-Spots

„One Health“ lautete das Thema einer initialen Gesprächsrunde der Spitzen der ­Heilberufekammern in Bayern auf Initiative von Dr. Gerald Quitterer, Präsident der ­Bayerischen Landesärztekammer (BLÄK). Mit vertreten in der Runde war auch das ­Bayerische Staatsministerium für Gesundheit und Pflege (StMGP). Erklärtes Ziel: Mögliche gemeinsame Handlungs­felder, Projekte und Aktionen detektieren und definieren.

Hinter dem Anglizismus „One Health“ verbirgt sich ein interdisziplinärer Ansatz, der auf allen Ebenen ansetzt, um mehr Gesundheit und Wohlbefinden für alle zu erzielen. Berücksichtigt werden dabei die Zusammenhänge zwischen Menschen, Tieren, Pflanzen und ihrer gemeinsamen Umwelt. Die WHO beschreibt „One Health“ als Ansatz, in dem verschiedene Sektoren zusammenarbeiten, um bessere Ergebnisse in Bezug auf die öffentliche Gesundheit zu erreichen. Konkret im Fokus stehen beispielsweise die Nahrungsmittelsicherheit, die Kontrolle von Zoonosen sowie der Kampf gegen die Antibiotikaresistenzen. „Das Thema ‚One Health‘ wird künftig an Bedeutung gewinnen und daher möchte ich einen Gedankenaustausch mit den Heilberufekammern und den relevanten Ministerien in Bayern etablieren“, sagte BLÄK-Präsident Quitterer bei der Begrüßung. Viele der Einzelprobleme seien bereits seit 20 bis 30 Jahren präsent, so Quitterer: „Wir sind ein Teil der Erde und nicht die Erde Teil von uns!“ Im Mittelpunkt stünden die Beziehung zu Tieren und Pflanzen und die Frage, wie Menschen, Tiere und Pflanzen gut miteinander leben könnten. Wichtig ist dem Präsidenten, dass es nicht um Schuldzuweisungen an einzelne Akteure gehe, sondern darum, gemeinsam ­Forderungen an die politischen Entscheidungsträgerinnen und -träger zu adressieren, die über die Partikularaspekte einzelner Gruppen stünden. Aber genau das mache die Herausforderung aus.


Wollen mit konkreten Maßnahmen das interdisziplinäre Thema „One Health“ angehen: Dr. Melanie Rubenbauer-Beyerlein, Vorstandsmitglied der BLÄK; MDirigin Dr. Gabriele Hartl, ­Prävention und Gesundheitsschutz im StMGP; Dr. phil. Nikolaus Melcop, Präsident der Psychotherapeutenkammer Bayern; Dr. Karl Eckart, Präsident der Bayerischen Landestierärztekammer; Thomas Benkert, Präsident der Bayerischen Landesapothekerkammer, Dr. Bernhard Junge-Hülsing, BLÄK-Vizepräsident; Dr. Gerald Quitterer, BLÄK-Präsident und Frank Dollendorf, BLÄK-Hauptgeschäftsführer (v. li.).

In einem Vortrag verdeutlichte Dr. Melanie ­Rubenbauer-Beyerlein, BLÄK-Vorstandsmitglied, die Zielsetzung von „One Health“ und lieferte eine detaillierte Begriffsdefinition. Rubenbauer-Beyerlein: „Mein Ziel wäre es insbesondere, die Verbindung von individueller Gesundheit, öffentlicher Gesundheitsvorsorge, Gesundheit von Tierpopulationen und die Auswirkungen von veränderten Ökosystemen allen Beteiligten vor Augen zu führen, alle im Ziel zu vereinen und eine breite Implementation des „One Health-Ansatzes“ primär in Bayern anzustoßen.“

In der anschließenden Gesprächsrunde waren sich alle einig, dass flächendeckende Maßnahmen auf dem Gebiet der Verhältnis- und Verhaltensprävention umgesetzt werden müssten. Hier hakte Dr. Gabriele Hartl vom StMGP ein und bot an, beim nächsten Termin eine Übersicht über die aktuell laufenden Präventionsprojekte des StMGP zu bieten. Dr. Bernhard Junge-Hülsing, BLÄK-Vizepräsident, plädierte dafür, auch gute Ideen anderer, beispielsweise politischer Parteien, aufzunehmen. Als Beispiel  nannte er  den bayernweiten „Veggie-Day“. Quitterer ergänzte, dass endlich ein eigenes Schulfach „Gesundheit“ eigeführt und darüber hinaus kurze TV-Spots gesendet werden sollten, wie einst zur Verkehrserziehung. Damit könne das  Bewusstsein in der Bevölkerung für diese Problematiken geschärft werden.

Die Runde verständigte sich auf die konkreten zwei Maßnahmenforderungen, „Gesundheit als Schulfach etablieren“ und „kurze TV-Spots schalten“. Quitterer zusammenfassend: „Ich will den Respekt vor Umwelt, Natur, Menschen, Tieren und Pflanzen stärker ins Bewusstsein rücken.“ Um die junge Generation zu erreichen, müsse man „das Vorbild leben“ und auch Impulse setzen. Bei der Breite des Themas „One Health“ wollen sich die Akteure künftig themenbezogen den einzelnen Problemfeldern nähern.

Autorin
Dagmar Nedbal (BLÄK)

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